Sportler schwitzen beim Personalchef

 Von Leonie Ratje 

STADE. Wenn der Sponsor einlädt, kommen 350 Sportler. Am Sonntagvormittag hat das Bauunternehmen Lindemann den fünfjährigen Geburtstag seines Bauerlebnishauses in Stade gefeiert. Angler, Judoka, Basketballer und viele andere Sportler folgten der Einladung.

Ein „Pflichttermin“, wie einer sagte, der mit einem spektakulären Foto verewigt wurde.

Das große „Mannschaftsfoto“ mit 350 Sportlern aus der Region, aufgenommen mit einer Drohne im Bauerlebnishaus in Ottenbeck. Foto: Cordes

Ein Training der anderen Art absolvieren am Sonntagvormittag die Badmintonspieler Henrik Volmari und Luca Strietzel-Kroon vom VfL Stade. Statt den Anweisungen ihres Trainers auf dem Spielfeld Folge zu leisten, nehmen sie im Büro von Udo Meyer Platz. Ins Schwitzen kommen die beiden 17-Jährigen auch beim Bewerbungstraining mit dem Personaler.

Vor fünf Jahren hat das Bauunternehmen Lindemann sein Bauerlebnishaus in Ottenbeck eröffnet. Zur Geburtstagsfeier kommen 350 Sportler aus der Region. Angler und Schützen treffen auf Handballer und Fußballer. Turner, Voltigierer und Basketballer schauen ebenso vorbei wie Judoka, Segler oder Badmintonspieler. Gemeinsam stellen sie sich für ein großes „Mannschaftsfoto“ auf, lassen sich durch die Ausstellung führen oder nutzten die Gelegenheit für ein spontanes Bewerbungstraining.

„Wir wollen mehr sein als ein Logo auf euren Trikots oder auf der Bande“, sagt Lindemanns Marketingchef Mark Schober, als er die Gäste begrüßt. Mit Veranstaltungen wie dieser wolle er eine stete Kommunikation in Gang setzen, das Haus für Begegnungen öffnen. Ein Riesen-Netzwerk entstehen lassen, das attraktive Möglichkeiten biete.

Die Frage nach seiner größten Schwäche lässt Henrik Volmari zögern. Wie ehrlich darf er darauf antworten? Was will der Personaler hören? Udo Meyer verrät, wie er vermeintliche Schwächen in Stärken verwandeln kann. „Sag zum Beispiel, dass du immer alles zu perfekt machen willst.“ Zwar erkenne jeder Personalchef die Absicht dahinter, er werde aber auch wohlwollend registrieren, dass sich der Kandidat im Vorfeld Gedanken über eine Antwort gemacht habe.

Vor der Tür bilden sich kleine Grüppchen, die Sportler plaudern miteinander. Fredenbecker Voltigierer trinken O-Saft am Tresen. Der Kleinste sitzt oben drauf: Henry Frischmuth (7) gehört seit Anfang des Jahres zum Team. Stades Basketballer und einige Fußballteams schauen vorbei, ehe sie am Nachmittag zu ihren Spielen fahren. Die Fußball-Frauen des VfL Güldenstern Stade haben ihr Spiel in der Bezirksliga West bereits am Vortag gewonnen und schlendern durch die Räume. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Sportler hier sind“, sagt Henriette Wulff.

STREIFZUG

„Wenn der Sponsor einlädt, kommen wir gerne“, sagt Silke Heinbockel, Präsidentin des Schützenvereins Wiepenkathen. Zum einen, um den Dank gegenüber dem Sponsor zu dokumentieren, zum anderen aber auch, um mit anderen Sportlern und Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. „Klar möchte sich das Unternehmen präsentieren“, sagt Henrike Schubert aus der Judo-Bundesligamannschaft des VfL Stade. „Aber so haben auch wir die Möglichkeit, in der Öffentlichkeit aufzutreten.“ Gerade für Athleten der sogenannten Randsportarten seien Veranstaltungen wie diese wichtig, um das eigene Marketing voranzutreiben.

„Das ist schon mehr als ein Pflichttermin“, bestätigt VfL-Badmintontrainer Andreas Heydasch. Der Austausch mit anderen Trainern erweitere den Horizont. „Im besten Fall nehmen wir ein paar neue Ideen mit.“ Seine Nachwuchsspieler wissen nun schon mal, was sie bei einem Bewerbungsgespräch erwartet.

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