So nutzen Sportvereine die Sozialen Netzwerke

LANDKREIS. Social Media ist im Amateursport mehr als ein lustiger Zeitvertreib. Das zeigen die Vereine in der Region – so wie der TSV Eintracht Immenbeck. Dort beweist der Ersatztorhüter, dass nicht nur Spitzenclubs die Sozialen Netzwerke umfassend nutzen.

Von Tim Scholz und Mario Battmer

Niclas Meier war bedient. Er, der Immenbecker Ersatztorwart, hatte in der Bezirksliga mit seiner Mannschaft 1:7 gegen Wiepenkathen verloren. Da kam ein gegnerischer Spieler auf ihn zu, sagte, dass er sich auf seinen Spielbericht freue, der werde mit Sicherheit lustig. Meier freute es, der Kommentar war nicht herablassend zu verstehen, vielmehr anerkennend.

Meiers Spielberichte, meist ellenlang und amüsant geschrieben, sind für viele Kenner des Amateurfußballs in der Region eine Pflichtlektüre. Wie nach dem 1:7, als auf der Facebook-Seite der ersten Immenbecker Herrenmannschaft zu lesen war, wie „blutleer“ das eigene Team aufgetreten war.

„Das mit den Spielberichten ist ein lustiger Zeitvertreib“, sagt Meier. Er erklärt aber auch, dass sie ein Mittel seien, um das „öffentliche Image“ des Vereins zu fördern, wie die Anekdote nach der 1:7-Klatsche gezeigt hat. „Wir wollen auch immer ein bisschen unique bleiben“, sagt Meier und meint: Die Immenbecker wollen sich im Internet von der Masse abheben.

Drei Stunden neben dem Job

Niclas Meier, 28, arbeitet als PR- und Social-Media-Manager bei einem Medienunternehmen in Hamburg. Neben seinem Job „opfert“ er, der als Pressewart zum Vereinsvorstand gehört, bis zu drei Stunden in der Woche, um die Immenbecker Seiten in den Sozialen Netzwerken Facebook und Instagram zu pflegen – ehrenamtlich. Und damit ist Meier nicht allein.

Niclas Meier investiert viel Zeit, um die Facebook- und Instagram-Seiten der ersten Immenbecker Mannschaft zu pflegen. Foto Scholz

Überall im Landkreis gibt es Menschen, die die Sozialen Netzwerke für ihre Vereine nutzen. Da wird den Nutzern der Pokal vom Turniersieg in Freiburg präsentiert, da wird auf die nächste Faustball-Meisterschaft in der eigenen Halle hingewiesen, da wird der neue Trainer des Handball-Oberligisten im Video-Interview vorgestellt.

Es sind nicht mehr nur die großen Clubs mit ihren gigantischen Fanzahlen, die Soziale Netzwerke umfassend nutzen, auch die Amateurvereine leisten teilweise großen Aufwand, um gesehen zu werden. Dominic Rahe, beim Niedersächsischen Fußballverband zuständig für Neue Medien, geht davon aus, dass mindestens die Hälfte der Fußballsparten in Niedersachsen einen eigenen Social-Media-Account haben. „Es reicht nicht mehr nur, ein Plakat im Dorfgemeinschaftshaus aufzuhängen“, sagt Rahe. „Aufmerksamkeit bekommen die Vereine heutzutage vor allem über die Sozialen Netzwerke.“

Die Motive der Amateure

Während ein Spitzenclub wie der FC Bayern München mit fast 50 Millionen Facebook-Fans die Sozialen Netzwerke nutzt, um eine Marke aufzubauen und Sponsoren eine Plattform zu bieten, sind die Motive der Amateurvereine anders gelagert. „In erster Linie wollen sich die Amateurvereine bei einer bestimmten Zielgruppe bekannter machen“, sagt Katharina Schöttl, die den Fachbereich digitales Marketing am Internationalen Fußball Institut in Ismaning leitet. Es gehe vor allem darum, junge Menschen über die Sozialen Netzwerke anzusprechen. Zum einen hätten die Vereine so die Möglichkeit, die Nutzer über das Vereinsleben auf dem Laufenden zu halten, zum anderen könnten sie dem „Konkurrenzangebot“ der Fitnessstudios begegnen, sagt Schöttl.

„Es ist ein Muss für die Vereine, mit der Zeit zu gehen.“ Voraussichtlich ab diesem Sommer bietet das Internationale Fußball Institut ein online-basiertes Programm für Vertreter von Amateur- und semiprofessionellen Vereinen an. Im Kern geht es dabei um die Frage, wie können Vereine ihre Social-Media-Kommunikation verbessern. „Die Nachfrage seitens der Vereine und Verbände steigt“, sagt Schöttl.

Zugleich stellt sich die Frage, was die Amateurvereine leisten können. „Es ist das Beste, wenn die Sozialen Netzwerke professionell betreut werden“, sagt Schöttl. „Realistisch betrachtet lebt der Amateursport aber vom Ehrenamt, und da macht es nur Sinn, die Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen.“ Schöttl rät, regelmäßig eine groben Redaktionsplan aufzustellen, damit klar sei, welche Beiträge wann geplant seien – und die Kanäle permanent bestückt werden.

D/A profitiert von Pokal-Knaller

Jonas Rambow, der Facebook- und Instagram-Seiten rund um die SV Drochtersen/Assel betreut, hat sich als Maßgabe gesetzt, möglichst viele Inhalte zu posten. Die Nutzer sollten sich rundum informiert fühlen, sagt er. Das Ziel sei es, noch mehr Inhalte zu schaffen, vor allem Interviews im Video, und noch mehr mit den Nutzern zu interagieren. Dabei steht Rambow einer immer größer werdenden Fangemeinde gegenüber. Vor allem durch das Pokalspiel gegen Bayern habe sich „eine Menge verändert“.

Auch der Stader Fotograf Jörg Struwe beobachtet, dass immer mehr Vereine viel Zeit und Arbeit in ihre Social-Media-Aktivitäten investieren. Struwe selbst betreut die Kanäle des VfL Güldenstern Stade, bestückt sie mit seinen Fotos. Aber auch andere Vereine wie der Deinster SV engagieren ihn, um professionelle Fotos posten zu können. „Die Vereine wollen keine verwischten Handy-Fotos mehr auf ihre Seiten stellen“, sagt Struwe, „sie wollen klare und aussagekräftige Bilder.“

Auch der Immenbecker Niclas Meier setzt häufig auf Fotos. „Das Visuelle spielt eine immer größere Rolle“, sagt er. Die Rubrik „Was hat das mit Fußball zu tun?“, in der Spielfotos aus dem Zusammenhang genommen werden, erreicht Meier zufolge immer mal wieder um die 3000 Nutzer. Das lässt sich in den Statistiken ablesen, die Facebook anbietet. Meier betont aber, dass er sich nicht von den Zahlen leiten lasse. Der TSV Eintracht Immenbeck ist eben nicht der FC Bayern München.

Tipps für Vereine

  •  Ein Social-Media-Kanal muss als „digitale Visitenkarte“ konstant mit Inhalten gefüllt werden. Das benötigt zeitliche und inhaltliche Betreuung.
  •  Außenstehenden einen Blick hinter die Kulissen geben, zum Beispiel Anekdoten aus dem Training oder von der Mannschaftsfahrt.
  • Die Community mit relevanten und lustigen Inhalten unterhalten, Fragen stellen, auf Kommentare reagieren und Hashtags nutzen. Das generiert Aufmerksamkeit und Reichweite.
  •  Die Inhalte sollten einen einheitlichen Look haben. Je einheitlicher, desto professioneller wirkt der Auftritt.
  • Mit lokalen Partnern vernetzen oder mit Unternehmen agieren, die den Verein unterstützen sollen. Ein Account mit vielen Fans kann auch eine attraktive Plattform für Werbebotschaften sein.
  •  Von anderen Accounts inspirieren lassen. Formate, die funktionieren können, gibt es bei internationalen Spitzenclubs, aber auch in der Kreisliga.

Quelle: Social Media Guide für Amateurvereine (DFB)

Die Kreisliga im Check: Deinster SV ist der Facebook-Meister

LANDKREIS. Unter den Facebookseiten der Stader Fußball-Kreisligisten fällt die Seite des MTV Himmelpforten auf. Der MTV versucht, viel mit dem Faktor Unterhaltung zu arbeiten. Gegen den VfL Horneburg verlor der MTV mit 0:1 durch einen Treffer, der in der Nachspielzeit vom Innenpfosten abprallte. Auf der Facebookseite stand dazu: „Auf dem Waldsportplatz wird bald ein Tor ersetzt. Irgendetwas stimmt mit dem linken Pfosten nicht.“ Mit solch lockeren Kommentaren werden die 517 Fans der Seite unterhalten. „Neben dem Platz kann man auch mal über sich selbst lachen“, sagt Lars Wertgen, einer der MTV-Spieler, die die Seite betreiben.

Die meisten Kreisligisten sind regelmäßig auf Facebook aktiv, einzig die Social-Media-Schlusslichter TSV Buxtehude-Altkloster und der SSV Hagen haben in dieser Saison noch gar nichts über ihre Mannschaftsseiten kommunziert. Spielankündigungen und Ergebnisse machen einen Großteil der Facebook-Posts aus, auch beim Deinster SV, der mit 2092 Fans die meisten im Kreis hat. Einen Großteil seiner Fans hat Deinste 2016 durch ein Mannschaftsfoto bekommen, auf dem alle Spieler ein schwarzes Gesicht hatten. Ein Mitspieler wurde damals rassistisch beleidigt, das Foto war eine solidarische Reaktion der Mannschaft. Deinste erhielt durch die Aktion viel Aufmerksamkeit. Stefan Hink, Sportwart beim Deinster SV, ist für dessen Facebookseite zuständig. Für die Sozialen Netzwerke gehe, so Hink, schon ordentlich Zeit drauf. „Aber es braucht halt solche Verrückte.“

Zweite Mannschaften händeln Facebook derweil unterschiedlich. Die VSV Hedendorf/Neukloster II und der VfL Güldenstern Stade II haben keinen eigenen Facebookauftritt, sind jeweils auf dem Fußballkanal des Gesamtvereins aktiv. Die SV Drochtersen/Assel IV, der ASC Cranz-Estebrügge II, TuS Harsefeld II und die SV Ahlerstedt/Ottendorf II hingegen betreiben eigene Seiten. „So können wir nur für uns berichten, unabhängig von den anderen Mannschaften“, erklärt A/O-Trainer Timo Fischer, der die Seite seiner Mannschaft mit Leben füllt. Dass diese mit 147 Likes die wenigsten Fans der Liga hat, ist Fischer dabei egal. Wichtig sei, wahrgenommen zu werden, sowohl für den Verein, als auch für den einzelnen Spieler. „Die freuen sich natürlich, wenn sie nach einer guten Leistung erwähnt werden“, sagt Fischer.

Instagram wird von den meisten Teams nicht genutzt. Wenn doch, läuft die Kommunikation oft als Gesamtverein. So macht es auch D/A, das Team mit den meisten Instagram-Likes (1823) der Liga. Einen weiteren Kanal zu betreuen, koste nochmal mehr Zeit, erklärt Stefan Hink. „Da stecke ich lieber die volle Konzentration in eine Sache.“

Drei Fragen an … Stefan Eickelmann, Marketingleiter des BSV-Handball

Herr Eickelmann, wie viel Wert legt der BSV auf Social Media?

Für uns ist die Präsenz in den Sozialen Netzwerken ganz wichtig. Es geht schließlich darum, für Fans, Interessierte und Partner sichtbar zu sein. Wir kommen also nicht drum herum, auf Facebook und Instagram aktiv zu sein.

Worauf kommt es dabei an, wenn Sie Inhalte für diese Kanäle erstellen?

In erster Linie lautet die Maßgabe, authentisch und informativ zu sein. Facebook und Instagram sind Kommunikationskanäle, auf denen wir zum Beispiel unsere Spielerwechsel veröffentlichen. Wir versuchen, mindestens einen Beitrag pro Tag abzusetzen. Social Media bietet aber nicht nur die Möglichkeit, nüchtern zu berichten. Wir wollen die Nutzer auch emotional ansprechen, indem wir zum Beispiel Spielszenen von coolen Aktionen posten oder Fotos aus dem Mannschaftsbus. Dabei helfen uns auch die Spielerinnen, die direkten Zugang zu den Kanälen haben. Durch solche Inhalte entsteht eine Bindung mit den Fans.

Lässt sich der Nutzen der Social-Media-Kanäle für den BSV beziffern?

Der Nutzen ist vielfältig, es geht schließlich um Fanbindung, Erhöhung der eigenen Reichweiten und auch um Monetarisierung. Erste Tests haben gezeigt, dass der Absatz über das Online-Ticketing durchaus von Werbeaktivitäten im Social-Media profitieren kann. Wir wissen auch, dass Social Media ein gutes Tool für unsere Sponsoren ist, um über bestimmte Formate Aufmerksamkeit zu gewinnen, zum Beispiel durch das Presenting von Spielergebnissen oder Highlight-Videos.

Quelle: Stader Tageblatt

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