Spielabsagen im Fußball: Der Frust mit dem Frost

26. Februar 2018 Von Redaktion Fussballabteilung

Witterungsbedingt fallen die Fußballspiele in der Region reihenweise aus. Allen Mannschaften stehen unzählige Englische Wochen ins Haus. Das TAGEBLATT hat die Trainer gefragt, wie sie mit der Situation umgehen. Einige haben Verbesserungsvorschlag parat.

Von Wolfgang Nitschke, Lars Wertgen, Marcus Lütje, Moritz Studer und Daniel Berlin

Alle Ligen sind betroffen. In der Regionalliga stand Hannover 96 II 21 Mal auf dem Platz, der VfB Oldenburg bestritt nur 15 Partien. Am Freitag entschied sich der Schiedsrichter in letzter Sekunde die Begegnung zwischen D/A und St. Pauli II nicht anzupfeifen. In der Landesliga spielten einige Teams bereits 16 Mal, andere traten nur zwölf Mal an. Auf Bezirks- und Kreisebene sieht es ähnlich aus. Die Tabellen haben keinerlei Aussagekraft.

Marcus Wendt, Trainer MTV Hammah (Bezirksliga): „Wir waren noch nicht einmal auf unserem Platz zum Training, kennen jetzt aber jeden Weg im Dorf, nur Laufeinheiten konnten absolviert werden. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass mehr Spiele in den Sommermonaten stattfinden. Wenn das Wetter gut wird, endet unsere Saison Ende Mai. Zu früh, den Juni sollte man unbedingt mit einbeziehen.“

In dieselbe Richtung tendiert auch Oliver Drechsel, 2. Vorsitzender des TSV Apensen (Bezirksliga): „Dank unseres Grandplatzes konnten wir durchtrainieren und liegen mit 18 Spielen im Soll. Grundsätzlich aber bleibt das Problem, dass im Januar und Februar viele Spiele ausfallen. Also: Erst im März wieder anfangen und bis Mitte Juni ausdehnen, zumal dann auch Englische Wochen bei besten Bedingungen für Spieler und Zuschauer herrschen.“

„Fest steht, dass auf Rasenplätzen bei starkem Frost zu Recht alles ausfällt“, stellt Oste/Oldendorf-Coach Jens Hitzwebel (Bezirksliga) fest und fährt fort: „Besserung ist nicht in Sicht und weitere Absagen werden folgen. In dieser Saison haben wir erst am 13. August angefangen – das ist zu spät. Von einer Ausweitung in den Juni hinein halte ich eher wenig, dann wäre die Zeit für Sommerpause und Vorbereitung zu kurz.“

Interessante Gedanken um eine Neugestaltung der Saison hat sich Volker Wiede gemacht. Der Trainer von Eintracht Immenbeck (Bezirksliga) schlägt ein Überdenken der Phase im Sommer vor. „Ich würde das gute Wetter im Juni nutzen und bis Ende dieses Monats durchspielen. Im Juli könnte Urlaub gemacht werden, Anfang August startet die Vorbereitung und Ende August beginnen die Punktspiele. Damit hätten wir die Wintermonate vermieden und würden bei angenehmen Temperaturen spielen.“

„Aufgrund unseres Kunstrasens konnten wir eine vernünftige Vorbereitung durchziehen“, berichtet Jörg Steffens, Trainer des Titelanwärters VSV Hedendorf/Neukloster (Bezirksliga). „Über eine Neugestaltung des Spielplans sollte aber nachgedacht werden. Auch im Jugendbereich wird bis in den Juni hinein gespielt und das ist sicher auch für die Herren möglich. Dann muss man allerdings auch die Feiertage als Spieltag einbeziehen, aber das wird schon jetzt der Fall sein aufgrund der zahlreichen Nachholpartien.“

D/A III-Trainer Dierk Kapke (Bezirksliga), der mit seinem Team aufgrund vieler Absagen von 14 Spielen noch zehn auswärts bestreiten muss, plädiert für einen früheren Saisonstart. „In der letzten Juli-Woche oder gleich Anfang August sollte es losgehen, damit bis Dezember schon möglichst viele Spiele abgehakt sind. Auch der Einbau von einer oder zwei Englischen Wochen wäre denkbar, um die gefährdeten Monate Januar und Februar komplett freizuhalten“.

„Bei allem Nachsinnen über Änderungen sollten wir nicht vergessen, dass die Wetterlage diesmal extrem ungünstig ist und es auch Jahre gab, in denen der Februar keinerlei Probleme verursachte“, gibt Dirk Dammann, Teammanager von Spitzenreiter VfL Güldenstern (Bezirksliga), zu bedenken. „Dennoch ist die Verlängerung der Winterpause durchaus in Betracht zu ziehen. Alles was hilft, unter besten Bedingungen Spiele auszutragen, ist für Aktive und Zuschauer nur förderlich.“

Harald Zerwas, Trainer der SV Ahlerstedt/Ottendorf in der Frauen-Oberliga: „Die Gemeinde hat den Platz gesperrt – zu Recht. Ich bin jedes Mal erleichtert, wenn nach dem Training alle Mädels unfallfrei vom gefrorenen Rasen kommen. Die Probleme hatten wir vor 30 Jahren aber auch schon. Ich wäre froh, sollten wir einen Kunstrasen bekommen. Das Training ist aktuell enorm eingeschränkt und die Laufrunden durchs Dorf sind auf Dauer langweilig. In dieser Saison haben wir nur 20 Spiele, da müssten wir vor Mitte März eigentlich gar nicht anfangen. Mannschaften mit Terminengpässen könnten sich vielleicht darauf verständigen, auf neutrale Kunstrasenplätze auszuweichen. Vereine und Gemeinden, die die Plätze zur Verfügung stellen, würden mit einer Pauschale entschädigt. Für Spiele unter der Woche sind die Fahrten in der Oberliga zu weit. Die Partien gegen Gegner aus der Umgebung grundsätzlich außerhalb der Wochenenden einzuplanen wäre möglich, in der Spieltagsplanung aber schwierig.“

Trainer René Klawon vom Landesligisten Buxtehuder SV: „Ich finde es schrecklich, zu dieser Jahreszeit auf dem Platz zu stehen. Wir hatten zwar Glück und konnten auf dem Kunstrasen trainieren, da es aber nun noch kälter wird, wird das wohl die nächsten Wochen nicht möglich sein. Ich verstehe es nicht, dass im Mai schon Schluss ist. Dann beginnt die schönste Fußballzeit ja eigentlich erst. Deswegen würde ich auch Englische Wochen vorschlagen, um die Winterspielzeiten zu minimieren. Ich spiele lieber unter der Woche mit zahlreichen Zuschauern als im Februar bei –3 Grad und leerem Seitenrand.“

Trainer Hartmut Mattfeldt vom Bezirksligisten TSV Elstorf: „Ich sage schon seit Längerem, dass es keinen Sinn macht, schon im Februar in die Rückrunde zu starten. Wir bereiten uns jetzt seit Januar darauf vor, haben einige Testspiele dank unseres Kunstrasens machen können, aber trainieren seit Wochen auf einen ungewissen Spieltermin hin. Deswegen wäre es sinnvoll, die Spielpläne auch zuschauerfreundlich anzulegen. Ich könnte mir vorstellen, dass wir die Derbys auf Termine unter der Woche legen könnten, um keine Spieltermine im Februar zu haben. Auch eine Verkürzung der Sommerpause wäre eine Option für die Entlastung der Wintertermine. In jedem Fall darf die aktuelle Lage so nicht passieren, auch weil das Tabellenbild dadurch absolut verzerrt wird.“

Trainer Björn Stobbe vom ASC Cranz-Estebrügge II (Kreisliga): „Ein normaler Trainingsbetrieb ist, ohne die Gesundheit der Spieler zu gefährden, nicht möglich. Wir machen ein wenig Alternativ-Programm, aber grundsätzlich bin ich der Meinung, müsste man das dann methodisch – also regelmäßig – machen. Von einzelnen Einheiten in ganz anderen Gebieten kriegen die Spieler nur Muskelkater. Ich würde im Dezember bis nah an Weihnachten spielen lassen, dann hat man zwei, drei Spiele mehr absolviert.“

Trainer Fabian Schumann-Pietz vom VfL Güldenstern Stade II (Kreisliga): „Im Großen und Ganzen können wir uns wahrscheinlich nicht beschweren. Wir nutzen die uns zur Verfügung stehenden Hallenzeiten und versuchen, immer variabel zu sein. Laufeinheiten gehören natürlich auch dazu. Wir müssten uns im Amateurbereich meiner Meinung nach nicht zwingend an den Bundesliga- oder Profirahmen halten. Wir könnten auch von März/April bis November spielen.“

Trainer Sönke Kreibich vom Deinster SV (Kreisliga): „Wir haben nur einen Trainingsplatz mit Flutlicht. Unsere Bedingungen sind sehr schlecht. Zu Beginn der Vorbereitung ging es noch. Jetzt ist es seit gut zwei Wochen unmöglich, auf dem Platz zu trainieren. Wir waren schon in der Soccer-Halle in Neu Wulmstorf, machen Kraft- und Fitnesstraining und die schnöden Laufeinheiten. Die Spieler ziehen erstaunlich gut mit. Drei, vier oder fünf Englische Wochen mit Spielen unter der Woche in den guten Monaten wären hilfreich und aus meiner Sicht machbar.“

Trainer Nihat Sagir von der SG Lühe (Kreisliga): „Unsere Fußballplätze sind derzeit so gut wie gar nicht nutzbar. Das ist viel zu gefährlich und macht auch keinen Spaß. Erst waren sie wochenlang tief und nass, jetzt sind sie uneben und hart gefroren. Da geht nichts. Wir sind schon ins Fitnessstudio nach Stade gefahren, haben Aqua-Training gemacht, nutzen die Hallenzeiten und machen die allseits unbeliebten Laufeinheiten. Mehr ist nicht drin, auch wenn wir im Abstiegskampf stecken. Was nicht geht, geht nicht. Es gibt zwei Möglichkeiten, um das Ganze zu entzerren. Erstens die Spielzeiten verschieben, also im März oder April beginnen und im November enden lassen oder zweitens mehrere Englische Wochen einstreuen. Auf Kreisebene müsste das locker gehen.“

Nitschkes Tipp

TAGEBLATT-Autor und Ex-Fußballtrainer Wolfgang Nitschke hat sich über den Modus Gedanken gemacht: „Die schönste Jahreszeit für Spieler und Zuschauer wird ungenügend genutzt. Deshalb: Mitte August bis Ende November wird der erste Teil der Saison gespielt. Baut man im August und September zwei Englische Wochen ein, könnten 18 Spieltage absolviert werden. Die Winterpause wird verlängert bis März, um den unangenehmen Monaten Dezember, Januar und Februar aus dem Wege zu gehen. Der zweite Saisonabschnitt beginnt Anfang März und endet Mitte Juni, wobei erneut zwei Spieltage unter der Woche stattfinden.

Quelle: Stader Tageblatt