Saisonabbruch wird in der Region gut angenommen

Symbolbild: Jörg Struwe - picselweb.de


Der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) hat sich in der vergangenen Woche entschieden, die wegen der Corona-Krise unterbrochene Saison abzubrechen. Dies soll nach der Quotientenregelung mit Aufsteigern und ohne Absteigern geschehen. Die Mehrheit im NFV Kreis Stade kann mit dieser Lösung gut leben.

Es gab vier verschiedene Varianten, die beim NFV thematisiert wurden. Neben der jetzt gewünschten Lösung hätte es auch zu einer Annullierung kommen können oder zu einer Fortführung der Saison sowie der Quotientenregelung mit Absteigern. Die Mehrheit der Präsidiumsmitglieder und der Vorsitzenden der 33 NFV-Kreise plädierte nun für den Abbruch mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger. „Diese Regelung ist wunderbar“, sagt Ulrich Mayntz, Vorsitzender des NFV Kreis Stade.

Der Befürworter sagt, dass es auch Kreise gibt, die eine andere Lösung bevorzugen. „Dass die nun mehrheitlich gewünschte Variante aber auch kommt, ist sehr wahrscheinlich“, sagt Mayntz. Der außerordentliche Verbandstag, bei dem endgültig abgestimmt wird, ist am 27. Juni. Die Stimmenzahl der Kreise richtet sich dabei nach den gemeldeten Mannschaftszahlen. Im Bezirk Lüneburg hat beispielsweise kein Kreis mehr als eine Stimme, dagegen hat der Kreis Region Hannover mit mehr als 20 die meisten Stimmen.

Abstiegsregelungen müssen gefunden werden

Sollte es, wie geplant, zum gewünschten Saisonabbruch kommen, geht die Planung für die von allen Fußballern ersehnte nächste Saison los. Dabei muss der NFV vornehmlich die Abstiegsregelungen für die aufgeblähten Ligen regeln. „Das soll aber behutsam über zwei Saisons passieren“, sagt Mayntz. Im NFV Kreis Stade, also in den Kreisklassen, wird gemäß der Ausschreibung aufgestiegen. Das Relegationsspiel zwischen den Zweitplatzierten aus den Kreisligen Stade und Cuxhaven findet nicht statt, beide dürfen aufsteigen. Mayntz weiß, dass die zweite Mannschaft der VSV Hedendorf/Neukloster als derzeit Zweitplatzierter der Kreisliga schon den Aufstieg feiert. Nach der Quotientenregelung, wonach die Anzahl der Punkte durch die Anzahl der Spiele geteilt wird, haben die VSV II knapp die Nase vorn. Der Viertplatzierte FSV Bliedersdorf/Nottensdorf hat trotz eines Spiels weniger das Nachsehen um 0,003 Punkte.

„Darüber sind wir nicht traurig“, sagt FSV-Trainer Uwe Duchow, der seine Mannschaft nach der Fusion von Bliedersdorf und Nottensdorf noch nicht in der Bezirksliga sieht. Sein primäres Ziel war die Mannschaftsfindung, das habe super geklappt. „Wir sind eine echte Truppe.“ Duchow sagt, dass die nun ausgewählte Lösung die „vernünftigste“ von allen sei.

„Die Freude ist sehr gedämpft“

Am meisten gezittert haben die Tabellenführer in den Bezirksligen während der Lösungsfindung. Der ASC Cranz-Estebrügge, Bezirksliga Lüneburg 4, ist unter Trainer Daniel Schröder mit dem klaren Ziel „Landesliga-Aufstieg“ in die Saison gegangen. Während der vergangenen Wochen hoffte Schröder, dass sein Team nicht um die harte Arbeit gebracht werde. Nun ist er froh und sagt doch verhalten: „Ich kann mit der Lösung leben. Ich wollte aufsteigen, weiß aber jetzt gar nicht so richtig, wie ich mich freuen soll.“ Den Umständen entsprechend sei die Freude sehr gedämpft. „Wir wollten sportlich aufsteigen, das wäre wesentlich schöner gewesen.“ Schröder hält seine komplette Mannschaft zusammen und sieht den ASC durchaus konkurrenzfähig in der Landesliga. Das die Sollzahl von 16 Mannschaften in der aufgestockten Liga nicht gleich in der ersten Saison erreicht werden müsste, käme den Aufsteigern entgegen, sagt Schröder.

Eventuell trifft es speziell die Landesliga trotz vier Bezirksliga-Aufsteigern aber gar nicht so wild. Tabellenführer Rotenburger SV steigt in die Oberliga Niedersachsen auf und der Tabellenletzte SV Emmendorf steigt freiwillig ab. „Und ich glaube, bei Eintracht Lüneburg geht die Tendenz auch gen freiwilligen Abstieg“, sagt Alexander Martens, Sportdirektor des Tabellendritten TuS Harsefeld. Dann würden nur 17 statt 19 Mannschaften in der nächsten Landesligasaison starten. Martens hatte schon vor Wochen zu der jetzigen Lösung geraten. „Das ist flächendeckend das Fairste.“

Landesliga erwarten viele Derbys

Die Landesliga wird nach der angestrebten Lösung mit Derbys nur so wuchern können. Mit TuS Harsefeld, SV Ahlerstedt/Ottendorf, SV Drochtersen/Assel II, VfL Güldenstern Stade, VSV Hedendorf/Neukloster sowie Aufsteiger ASC kommen sechs Mannschaften aus dem Landkreis. Zudem mischt Erfolgstrainer Hartmut Mattfeldt mit seinem TSV Elstorf mit, Tabellenführer in der Bezirksliga Lüneburg 2. Auch Mattfeldt befürchtete während der Lösungsfindung Schlimmes, war sich sicher, dass es zum Saisonabbruch kommen würde. Dass der TSV Elstorf nun aufsteigen darf, ist für Mattfeldt ein weiterer großer Erfolg, er hatte den TSV nach zehn Jahren als A/O-Trainer 2015 in der Kreisliga Harburg übernommen. In der vergangenen Saison wurde der TSV schon mit starken 73 Punkten unglücklicher Vizemeister.

Für den ASC wie auch Elstorf sind die Landesliga-Aufstiege die größten Vereinserfolge.

Ganz andere Gedanken hat dagegen Rigo Gooßen, Präsident der SV Drochtersen/Assel. Die NFV-Findungsphase beobachtete er recht entspannt, weil keine D/A-Mannschaft betroffen war, was Auf- oder Abstieg betrifft. Die Regionalliga Nord, in der D/A als Tabellenvierter die abgebrochene Saison beendet hat, wird in der nächsten Saison aber mit 22 statt 18 Mannschaften starten müssen. „Das ist von den Spielen her nicht zu schaffen“, sagt Gooßen. Der Norddeutsche Fußball-Verband muss eine Lösung finden, nachgedacht wird sogar über eine zweigleisige Staffel. Dass Tabellenführer VfB Lübeck nach der Quotientenregelung aufsteigt, kritisiert Gooßen, der selbst für Relegationsspiele zwischen Lübeck und den Zweiten Wolfsburg plädiert hatte. Da habe der Verband allein entschieden.

Quelle: Stader Tageblatt/Fupa | von Jan Bröhan

Print Friendly, PDF & Email