So soll der Fußball unter Corona-Auflagen rollen

Symbolfoto: Jörg Struwe - picselweb.de

LANDKREIS. Am Wochenende wird die Fußballsaison von der 4. Kreisklasse bis zur Regionalliga Nord angepfiffen. Aufgrund des Coronavirus müssen die Vereine eigenverantwortlich Hygienekonzepte umsetzen. Aber: Ist das überhaupt möglich?

Der Bezirksligist TSV Eintracht Immenbeck stemmte mit dem Stadtwerke-Cup spontan ein Turnier, als es die ersten Lockerungen zuließen. Das große Zuschauerinteresse überraschte sogar die Verantwortlichen. Die Vorgaben, unter anderem dass bei mehr als 50 Zuschauern jedem Gast ein Sitzplatz mit einem Abstand von 1,50 Metern zugeteilt werden muss, konnten an den ersten Turniertagen auf der Kunstrasenanlage nicht eingehalten werden. Ulrich Mayntz, Vorsitzender des NFV-Kreises Stade, schaute deshalb vorbei und habe „angemahnt“, dass die Corona-Auflagen nicht eingehalten werden.

Der Finaltag fand auf der Rasenplatzanlage statt, mit ausreichend Platz und großem Bemühen, die Zuschauer zum richtigen Verhalten anzuhalten. Selbst Mayntz sagt: „Es ist sehr schwer, alles richtig einzuhalten.“ Allein schon 1,50 Meter seien „eine Welt“. Die Zuschauer müssten sich eigentlich selbst disziplinieren. Das ist meistens nicht der Fall.

Eigenverantwortliche Umsetzung

Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hat den Vereinen Regeln an die Hand gegeben. „Die Vereine sind eigenverantwortlich für die Umsetzung zuständig“, sagt Mayntz. Die Schiedsrichter beispielsweise sollen sich laut NFV raushalten und nicht als große Mahner auftreten, wenn ihnen Auflagenverstöße auffallen.

Die SV Ahlerstedt/Ottendorf und die VSV Hedendorf/Neukloster hatten mit ihren Vorbereitungsturnieren wesentlich mehr Zeit als Immenbeck und versuchten, die Hygienekonzepte so gut es geht durchzusetzen. Die Hedendorfer ließen sich ihres von der Stadt Buxtehude abnicken. „Das ist ein Riesenaufwand“, sagt Philip Sievers, sportlicher Leiter der VSV, „und den haben wir jetzt bei jedem Heimspieltag mit mehreren Mannschaften.“

Ulrich Mayntz, Vorsitzender des NFV-Kreises Stade. Foto: Berlin

Vereine werden allein gelassen

Was die Auflagen aus Barsinghausen vonseiten des NFV betrifft, sagt Sievers, dass diese sehr allgemein gehalten sind und dass die Vereine damit eher allein gelassen werden. Beim Turnier in Hedendorf sollten sich die Gäste am besten Stühle mitbringen, ansonsten bekamen sie welche für eine Pfandabgabe an der Kasse. Im Gastronomiebereich durften zehn Leute pro Tisch Platz nehmen. An einer Wurstbude darf immer nur einer stehen, oder mehrere nur mit Mund-Nasen-Schutz. Eigentlich.

Räumlichkeiten dürfen eh nur mit Mund-Nasen-Schutz betreten werden. „Bei unseren Kabinengrößen haben wir geschätzt und immer nur vier Spieler gleichzeitig zugelassen“, sagt Sievers. Zum Duschen durften sogar nur zwei gleichzeitig. Von den Gastmannschaften haben die VSV einen Corona-Beauftragten angefordert, der wiederum eigenverantwortlich für das Einhalten der Regeln zuständig war. „Wir können nicht alles überprüfen“, sagt Sievers. Das wird auch für die Saison Bestand haben.

Absolute Sicherheit wird es nicht geben. Das zeigen Beispiele. Von Corona betroffen war auch schon Bezirksligist TSV Wiepenkathen. Nach dem positiven Ergebnis eines Spielers musste der TSV eine Woche individuell trainieren. Zudem mussten zwei Testspiele abgesagt werden. Der getestete Spieler musste in Quarantäne, die anderen standen unter Beobachtung und sollten Kontakte vermeiden.

NFV reagiert auf Corona-Fälle

Zwei bestätigte Corona-Fälle gab es beim Oberligisten Lupo Martini Wolfsburg, Ligakonkurrent des Heeslinger SC. Da einer der betroffenen Spieler in einem Testspiel zum Einsatz kam, sagte Lupo Martini vorerst alle Trainingseinheiten und Testspiele ab. Auch die ersten beiden Liga-Spiele des Oberligisten werden verschoben. Der NFV selber reagierte auf den Vorfall. Der Lehrgang der Oberliga-Schiedsrichter am vergangenen Sonntag in Barsinghausen wurde kurzfristig abgesagt.

Ein bestätigter Corona-Fall nach dem Lehrgang hätte massive Auswirkungen auf den Spielbetrieb haben können. Ohne Schiedsrichter hätte der gesamte erste und eventuell zweite Spieltag der Oberliga Niedersachsen abgesagt werden müssen. Auch Partien in der Regionalliga Nord wären eventuell betroffen gewesen, da die Oberliga-Schiedsrichter in dieser Spielklasse als Assistenten im Einsatz sind.

Weil maximal 500 Zuschauer bei den Spielen zugelassen sind, sind die Heimspiele des Regionalligisten SV Drochtersen/Assel schon jetzt durch die Dauerkartenbesitzer allesamt ausverkauft. D/A wird ein strenges Hygienekonzept durchsetzen – und hat es dabei sicherlich einfacher als ein Bezirksligist wie TuS Eiche Bargstedt.

D/A: Klappstuhl mitbringen

Bei D/A müssen alle Zuschauer sitzen inklusive des vorgeschriebenen Abstands von 1,50 Meter. Wer nicht auf der Tribüne sitzen will, muss auf mitgebrachten Klappstühlen auf der Gegengeraden Platz nehmen. Wer sich im Stadion bewegt, muss einen Mund-Nase-Schutz tragen. Beim Eintritt, nur durch den Haupteingang, werden die Kontaktdaten aufgenommen.

Der Ball rollt wieder. Unter Auflagen. Mayntz ist am Sonntag in Bargstedt als Schiedsrichterbeobachter. „Ich bin mal gespannt“, sagt er, „wie es da läuft.“ Beim euphorischen Bezirksliga-Aufsteiger werden viele Fans erwartet.

Quelle: Stader Tageblatt

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